SharePoint Copilot Apps und SPFx 1.24: Was 2026 auf Microsoft-365-Kunden zukommt
Microsoft hat im Juli 2026 die Public Preview der SharePoint Copilot Apps gestartet. Die allgemeine Verfügbarkeit ist gemeinsam mit SPFx 1.24 für September 2026 angekündigt – inklusive SPFx CLI und Navigation Customizers. Für Unternehmen, die SharePoint als Intranet nutzen, ist das die größte Änderung am Entwicklungsmodell seit Jahren.
Die entscheidende Formulierung aus Microsofts Roadmap lautet: Lösungen sollen „Copilot-ready by default“ sein und Daten sowie Aktionen direkt in Microsoft 365 Copilot ausspielen. Im Klartext: Was Sie heute als Webpart bauen, kann morgen auf der Copilot-Oberfläche in Teams, SharePoint und Viva erscheinen. Bestehendes SPFx-Wissen wird nicht entwertet – es bekommt eine zweite Bühne.
Kurz zusammengefasst
- Die Public Preview der SharePoint Copilot Apps läuft seit Juli 2026; die allgemeine Verfügbarkeit ist für September 2026 zusammen mit SPFx 1.24 angekündigt.
- SPFx 1.23 ist im April 2026 allgemein verfügbar geworden, 1.23.2 folgte im Juni 2026 mit Qualitätsverbesserungen.
- Die React-18-Umstellung läuft: Eigene Webparts können sie bereits übernehmen, die breite Aktivierung ist zur GA von 1.24 vorgesehen.
- Klassische SPFx-Webparts bleiben das Fundament – Copilot Apps sind eine zusätzliche Ausspielform, kein Ersatz.
- Zweites relevantes Datum: Der Support für SharePoint Server 2019 ist am 14. Juli 2026 ausgelaufen.
Was sind SharePoint Copilot Apps?
Bisher war die Sache klar aufgeteilt: Ein Webpart lebt auf einer SharePoint-Seite, und Copilot ist ein Chatfenster, das mit allgemeinem Wissen und indizierten Dokumenten arbeitet. Zwischen beidem lag eine Lücke – der Agent kannte Ihre Prozesse nicht, das Webpart konnte nicht antworten.
SharePoint Copilot Apps schließen genau diese Lücke. Sie bauen weiterhin mit dem SharePoint Framework, definieren aber zusätzlich, welche Daten und welche Aktionen Ihre Lösung dem Copilot anbietet. Der Agent kann dann nicht nur aus Ihren Inhalten antworten, sondern auch etwas auslösen: eine Freigabe starten, einen Datensatz anlegen, einen Workflow anstoßen.
Der praktische Unterschied liegt im Einstiegspunkt. Ihre Mitarbeitenden müssen nicht mehr wissen, auf welcher Intranet-Unterseite das richtige Werkzeug liegt. Sie fragen dort, wo sie ohnehin fragen – und die Antwort kommt aus Ihren eigenen Daten, mit Quellenangabe und innerhalb der bestehenden Berechtigungen.
Der Fahrplan: von SPFx 1.23 zu 1.24
Microsoft ist bei SPFx auf einen berechenbareren, quartalsnahen Rhythmus umgestiegen. Die relevanten Stationen des Jahres 2026:
April 2026 – SPFx 1.23 allgemein verfügbar
Nach der Preview im März wurde 1.23 am 15. April allgemein verfügbar. Im Juni folgte 1.23.2 mit Fehlerbehebungen und Plattform-Qualitätsverbesserungen – darunter Vorarbeiten für die Anpassung von Listen- und Bibliotheks-Panels.
Juli 2026 – SPFx 1.24 Public Preview
Start der Public Preview der SharePoint Copilot Apps. Microsoft holt in dieser Phase ausdrücklich Community-Feedback ein, um Entwicklererfahrung und Roadmap bis zur GA zu schärfen. Wer jetzt einsteigt, kann die Ausgestaltung noch beeinflussen.
September 2026 – SPFx 1.24 GA
Geplant sind die allgemeine Verfügbarkeit der SharePoint Copilot Apps, die GA der SPFx CLI und Navigation Customizers. Damit wird aus dem Experiment ein Baustein, den man produktiv einplanen kann.
Was das für bestehende Webparts heißt
Die beruhigende Nachricht zuerst: Es gibt keine angekündigte Abkündigung klassischer Webparts. Sie müssen nichts wegwerfen. Zwei Punkte gehören trotzdem auf die Agenda.
Erstens die React-18-Umstellung. Eigene Webparts können React 18 bereits übernehmen; die breite Aktivierung ist an die Fertigstellung der mitgelieferten Vorlagen gekoppelt und für die GA von SPFx 1.24 vorgesehen. Wer eine größere Webpart-Landschaft betreibt, sollte diese Migration einplanen statt sie zu erben.
Zweitens der Zuschnitt neuer Webparts. Wenn Sie ohnehin gerade etwas bauen, lohnt es sich, Datenzugriff und Aktionen sauber von der Darstellung zu trennen. Genau diese Trennung entscheidet später darüber, ob sich eine Lösung mit überschaubarem Aufwand als Copilot App ausspielen lässt – oder ob sie neu geschrieben werden muss. Der Mehraufwand ist heute gering, die Ersparnis später erheblich.
SharePoint Server 2019: das andere Datum in diesem Sommer
Parallel zur Copilot-Bewegung ist am 14. Juli 2026 der Support für SharePoint Server 2019 ausgelaufen. Für Unternehmen, die noch on-premises betreiben, ist das der härtere Termin: Es gibt keine Sicherheitsupdates mehr.
Der schwierige Teil eines Umzugs ist selten die Datenmigration – dafür gibt es Werkzeuge. Kritisch sind die Anpassungen, die über die Jahre gewachsen sind: JSLink, Sandbox- und Farm-Solutions, InfoPath-Formulare, SharePoint-Designer-Workflows. Diese Techniken laufen in SharePoint Online nicht. Wer nur Dateien kopiert, stellt nach dem Umzug fest, dass genau die Prozesse fehlen, an denen die Fachabteilung täglich hängt.
Deshalb beginnt eine SharePoint-Migration sinnvollerweise mit einer Bestandsanalyse: Was läuft wirklich, was ist seit Jahren tot, was muss als SPFx-Webpart nachgebaut werden? Erfahrungsgemäß ist die Liste deutlich kürzer als befürchtet.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
Aus den beiden Bewegungen ergibt sich ein recht klarer Fahrplan für die zweite Jahreshälfte 2026:
- Inventur machen. Welche Webparts und Anpassungen laufen im Tenant, wer nutzt sie, auf welcher SPFx-Version stehen sie? Ohne diese Liste ist jede Planung geraten.
- React-18-Migration terminieren. Für bestehende eigene Webparts einen Zeitpunkt setzen, statt auf den Zwang zu warten.
- Einen Copilot-Anwendungsfall auswählen. Nicht zehn. Einen, der eine häufig gestellte Frage beantwortet und dessen Datenquelle sauber gepflegt ist.
- Berechtigungen prüfen. Ein Agent macht schonungslos sichtbar, wenn Bibliotheken zu offen freigegeben sind. Das ist unangenehm – aber besser vor dem Rollout als danach.
- Dokumentation vorbereiten. Zweckbeschreibung, Risikoeinstufung und Kennzeichnung gehören ohnehin zu den Pflichten aus dem EU AI Act.
- On-Premises klären. Wer noch auf SharePoint Server 2019 sitzt, priorisiert die Migration – ohne Sicherheitsupdates ist das kein Zustand für ein Dokumentenarchiv.
Und eine Einschränkung, die selten jemand ausspricht: Nicht jeder Prozess braucht eigenen Code. Wenn sich Ihr Anwendungsfall mit einer SharePoint-Liste und Power Automate lösen lässt, ist das schneller, günstiger und wartungsärmer. Ein eigenes Webpart lohnt sich erst, wenn die Bordmittel den Fall nachweislich nicht tragen.
Häufige Fragen
Sind klassische SPFx-Webparts jetzt veraltet?
Nein. Microsoft hat keine Abkündigung klassischer Webparts angekündigt; die Roadmap-Updates behandeln Copilot Apps als zusätzliche Ausspielform, nicht als Ersatz. Bestehende Webparts laufen weiter. Planen sollten Sie lediglich die React-18-Umstellung, deren breite Aktivierung zur GA von SPFx 1.24 vorgesehen ist.
Sollten wir bis zur GA im September 2026 warten?
Für den produktiven Rollout einer Copilot App spricht viel dafür, die allgemeine Verfügbarkeit abzuwarten. Für Vorbereitung und Pilot spricht das Gegenteil: Inventur, Berechtigungsprüfung und Datenaufbereitung kosten ohnehin Wochen und sind unabhängig von der Version. Wer diese Arbeit vorzieht, ist zur GA startklar statt am Anfang.
Was kostet ein SharePoint-Webpart?
Ein einzelnes, klar umrissenes Webpart startet bei Lyron bei 1.900 € als Festpreis. Eine Intranet-Suite aus drei bis fünf Webparts inklusive Design-System beginnt bei 5.900 €, eine Copilot App bei 9.900 €. Den verbindlichen Preis nennen wir nach dem Erstgespräch, sobald der Umfang steht.
Sieht der Copilot-Agent alle Dokumente?
Er sollte genau das sehen, was die fragende Person ohnehin sehen darf – nicht mehr. Genau deshalb ist die Prüfung der Berechtigungen vor dem Rollout so wichtig: Ein Agent macht zu weit gefasste Freigaben sichtbar, die vorher niemandem aufgefallen sind, weil niemand danach gesucht hat.
Wir sind noch auf SharePoint Server 2019 – wie dringend ist das?
Dringend. Der Support ist am 14. Juli 2026 ausgelaufen, es gibt keine Sicherheitsupdates mehr. Für ein System, in dem typischerweise Verträge, Personalunterlagen und Projektdokumentation liegen, ist das ein reales Risiko und keine formale Fußnote.
Webpart, Copilot App oder erst einmal aufräumen?
Wir sagen Ihnen im kostenlosen Erstgespräch ehrlich, was Ihr Anwendungsfall braucht – auch wenn die Antwort „kein eigenes Webpart“ lautet.
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