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Praxis-Guide

Das neue Microsoft Copilot: Was Autopilot, Code und Nutzungsabrechnung für KMU bedeuten

·7 Min. Lesezeit
Von Redaktioneller Qualitätsstandard

Microsoft hat Copilot am 25. September 2026 grundlegend umgebaut: aus einem Chatfenster wird eine Arbeitsoberfläche mit Office-Apps, einem App-Baukasten und einem Agenten, der eigenständig weiterarbeitet. Für KMU in Microsoft 365 ist die wichtigste Nachricht aber nicht die Technik, sondern die Frage, wer diesem Agenten welche Rechte und welches Budget gibt.

Kurz zusammengefasst

  • Vier Bausteine in einer App: Home (Chat und Cowork), Office in Copilot, Code und Autopilot sollen die zentrale Oberfläche für die Arbeit in Microsoft 365 werden.
  • Autopilot ist der eigentliche Sprung: Ein dauerhaft laufender Agent mit eigener Identität, eigenem Gedächtnis und Arbeitsbereich im Tenant, ansprechbar per @-Erwähnung in Teams und Outlook.
  • Zwei Abrechnungswege: Die Nutzerlizenz deckt Chat und Copilot in den Office-Apps ab; Cowork, Code, Autopilot und Frontier-Modelle laufen über nutzungsbasierte Abrechnung.
  • Noch kein Massenstart: Home und Code starten im Frühzugangsprogramm Frontier, Autopilot erweitert seine Private Preview Ende September.
  • Jetzt vorbereiten lohnt sich: Datenrechte, Kostenrahmen, Plugin-Freigaben und ein klar umrissener Pilotprozess entscheiden, ob der Start kontrolliert gelingt.

Was Microsoft am 25. September angekündigt hat

Im offiziellen Microsoft-Blog stellte Jared Spataro das neue Copilot mit den Bausteinen Home, Code und Autopilot vor. CEO Satya Nadella nannte es auf X ein „new OS for work“. Die Größenordnung ist beachtlich: Laut GeekWire zählte Microsoft im Juli 2026 rund 30 Millionen bezahlte Microsoft-365-Copilot-Plätze. Der Umbau soll die Nutzung vom gelegentlichen Chat hin zu delegierter, länger laufender Arbeit verschieben.

BausteinWas er tutStatus am 26.09.2026
HomeStartpunkt mit Chat für schnelle Fragen und Cowork für komplexe, mehrstufige Aufgaben wie Angebote oder BriefingsRollout im Frontier-Programm in den kommenden Wochen
Office in CopilotWord, Excel und PowerPoint direkt in Copilot – Dokumente entstehen und ändern sich ohne App-WechselRollout an Frontier-Kunden in den kommenden Wochen
CodeBaut aus einer Beschreibung Widgets, interaktive Dashboards und interne Apps; basiert auf GitHub-Copilot-Technik, läuft in einer Sandbox und kann im eigenen Tenant gehostet werdenFrontier ab Ende September, breite Verfügbarkeit in den Folgewochen
AutopilotDauerhafter „digitaler Teamkollege“ mit Name, Rolle und Ziel; beobachtet Kanäle, steuert Abläufe und fasst nach – bisher unter dem Namen Scout bekanntErweiterte Private Preview ab Ende September
TodayProaktive Tagesübersicht über Mail, Kalender, Teams und Aufgaben mit vorbereiteten AntwortenPrivate Preview im Oktober 2026

Dazu kommen Bausteine für Administratoren: eine Plugin-Registry, über die die IT Microsoft-, Partner- und eigene Plugins zentral freigibt, sowie die Anbindung von Fabric IQ, Dynamics 365 und Power Platform als Datenquelle. Mehr Details kündigt Microsoft für die Ignite vom 17. bis 20. November 2026 an.

Zwei Abrechnungswege: Lizenz plus Verbrauch

Die vielleicht folgenreichste Änderung betrifft das Budget. Microsoft trennt Alltags-KI von agentischer Arbeit und rechnet beides unterschiedlich ab.

AbrechnungWas enthalten istWas KMU klären sollten
Nutzerlizenz (fix pro Person)Copilot Chat sowie Copilot in Word, Excel, PowerPoint, Outlook und Teams; Modellwahl mit automatischer AuswahlWer braucht eine Lizenz wirklich – und wofür?
Nutzungsbasiert (variabel)Cowork, Code, Autopilot und die neuesten Frontier-ModelleWer darf freischalten, welches Monatslimit gilt, wer prüft den Verbrauch?

Laut GeekWire ist die nutzungsbasierte Abrechnung standardmäßig ausgeschaltet; Administratoren können über die Agent-365-Verwaltung Ausgabelimits setzen. Konkrete Preise pro Aufgabe nannte Microsoft in der Ankündigung nicht. Genau deshalb gehört die Kostenfrage vor den ersten Pilot und nicht in die erste Monatsrechnung.

Autopilot: Ein digitaler Kollege braucht einen Steckbrief

Ein Agent, der ohne erneute Aufforderung weiterarbeitet, ist nützlich – und aus IT-Sicht genau deshalb anspruchsvoll. Microsoft verspricht Identität, Berechtigungen und Audit-Trails im Tenant. Welche Aufgaben ein Autopilot übernehmen darf, muss trotzdem das Unternehmen festlegen. Unser Vorschlag: Behandeln Sie jeden Agenten wie eine neue Stelle und schreiben Sie vor dem Start einen Steckbrief mit sechs Feldern.

1. Rolle und Ziel

Welche eine Aufgabe übernimmt der Agent, und woran ist Erfolg messbar?

2. Datenzugriff

Welche Teams, Postfächer, SharePoint-Bereiche und Plugins darf er lesen – und welche ausdrücklich nicht?

3. Erlaubte Aktionen

Entwürfe erstellen, Aufgaben anlegen, nachfassen: ja. Zahlungen, Löschungen, externe Zusagen: nein.

4. Freigaben

Vor welchen Schritten bestätigt ein Mensch, zum Beispiel vor jeder Nachricht an Kunden oder Lieferanten?

5. Kostenrahmen

Welches Monatsbudget gilt, und wer wird bei Erreichen des Limits benachrichtigt?

6. Owner und Protokoll

Wer ist verantwortlich, prüft das Protokoll regelmäßig und kann den Agenten stoppen?

Wie sich Schreibrechte und Freigaben stufenweise erweitern lassen, zeigt unser Beitrag KI-Agenten mit Schreibrechten: Freigabemodell für KMU.

Code: Apps per Beschreibung – und wer sie betreibt

Code senkt die Hürde für interne Werkzeuge deutlich: ein Tracker für offene Angebote, ein Dashboard aus Excel-Daten, ein kleines Freigabetool. Die Frage verschiebt sich damit vom „Können wir das bauen?“ zum „Wer betreibt das morgen noch?“. Diese Einordnung hilft bei der Wahl des Werkzeugs:

WegPasst, wenn …Achten auf
Copilot Codeein Team schnell ein internes Werkzeug auf Microsoft-365-Daten brauchtOwner, Datenquellen, Hosting im Tenant und Lebensdauer der App
Power Automate oder n8nwiederkehrende Abläufe zuverlässig zwischen mehreren Systemen laufen sollenFehlerpfade, Monitoring und Versionierung
SPFx oder individuelle SoftwareKunden, Partner oder viele Nutzer betroffen sind oder Kernprozesse daran hängenArchitektur, Tests, Sicherheit und Wartungsvertrag

Ergänzend lohnt ein Blick auf unseren Fahrplan zu SharePoint Copilot Apps und SPFx, denn viele KMU-Anwendungsfälle landen am Ende auf SharePoint-Daten.

Wo KMU heute stehen

Die Ankündigung trifft auf einen Mittelstand, der KI-Agenten noch vorsichtig einsetzt. Eine YouGov-Befragung im Auftrag von Alibaba.com und dem Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) unter 438 Entscheidern aus E-Commerce und Einkauf, veröffentlicht am 24. September 2026, zeigt das deutlich:

  • Rund zwei Drittel nutzen generative KI-Werkzeuge regelmäßig.
  • 24 Prozent setzen bereits agentische KI ein; in Unternehmen ab zehn Beschäftigten sind es 45 Prozent.
  • 32 Prozent nennen fehlendes Vertrauen als Hürde, 31 Prozent einen unklaren Business Case.

Genau diese beiden Hürden adressiert ein sauber vorbereiteter Pilot: Vertrauen entsteht durch Rechte, Freigaben und Protokolle; der Business Case durch einen konkreten Prozess mit messbarem Ergebnis statt einer allgemeinen Freischaltung für alle.

Der 30-Tage-Plan vor dem ersten Autopilot

  1. Woche 1 – Bestandsaufnahme: Welche Copilot-Lizenzen gibt es, wer nutzt sie, und welche KI-Werkzeuge laufen bereits ungeplant im Unternehmen?
  2. Woche 2 – Datenhygiene: Freigaben in SharePoint, Teams und OneDrive prüfen. Was jeder Mitarbeitende sehen kann, kann auch ein Agent in dessen Auftrag finden.
  3. Woche 3 – Leitplanken: Kostenrahmen für die nutzungsbasierte Abrechnung festlegen, freigegebene Plugins bestimmen, Agenten-Steckbrief als Vorlage verabschieden.
  4. Woche 4 – Ein Pilotprozess: Einen begrenzten, reversiblen Ablauf wählen, etwa Nachfassen offener Angebote intern oder Lieferantenunterlagen vorsortieren. Erfolgskriterium, Owner und Stoppregel vorab festhalten.

Parallel gilt: Seit Februar 2025 verlangt der EU AI Act in Artikel 4 KI-Kompetenz bei den Beschäftigten, die mit KI-Systemen arbeiten. Eine kurze Schulung zum Umgang mit Agenten gehört deshalb in denselben Plan. Unkontrollierte Werkzeuge beschreibt unser Beitrag zu Schatten-KI im Unternehmen.

Häufige Fragen

Ist das neue Copilot schon für alle Unternehmen verfügbar?

Nein. Stand 26. September 2026 startet Microsoft gestaffelt: Home und Code zuerst im Frühzugangsprogramm Frontier, Autopilot in einer erweiterten Private Preview ab Ende September. Die breite Verfügbarkeit von Code ist für die folgenden Wochen angekündigt.

Was kostet Autopilot?

Autopilot, Cowork und Code sowie die neuesten Frontier-Modelle laufen über nutzungsbasierte Abrechnung. Konkrete Preise pro Aufgabe hat Microsoft in der Ankündigung nicht genannt. Laut GeekWire ist die Nutzungsabrechnung standardmäßig deaktiviert und Admins können Ausgabelimits setzen.

Reicht die normale Microsoft-365-Copilot-Lizenz?

Für Chat und Copilot in Word, Excel, PowerPoint, Outlook und Teams deckt die Nutzerlizenz die Alltagsarbeit ab. Für agentische Arbeit mit Cowork, Code und Autopilot kommt die nutzungsbasierte Abrechnung hinzu.

Was sollten KMU vor einem Autopilot-Pilot vorbereiten?

Zugriffsrechte in SharePoint, Teams und OneDrive prüfen, einen Kostenrahmen festlegen, freigegebene Plugins definieren und für den Agenten Rolle, Ziel, erlaubte Aktionen, Freigaben und einen verantwortlichen Owner dokumentieren.

Fazit: Erst die Leitplanken, dann der Autopilot

Das neue Copilot macht Microsoft 365 zu einer Plattform, auf der Agenten nicht nur antworten, sondern selbst weiterarbeiten. Für KMU ist das eine echte Chance, weil wiederkehrende Koordinationsarbeit dort stattfindet, wo die Daten ohnehin liegen.

Der Unterschied zwischen einem hilfreichen digitalen Kollegen und einer teuren Überraschung liegt in der Vorbereitung: aufgeräumte Datenrechte, ein fester Kostenrahmen, freigegebene Plugins und ein Steckbrief pro Agent. Wer die nächsten vier Wochen dafür nutzt, kann starten, sobald die Funktionen breit verfügbar sind.

Quellen und Bildnachweis

Stand und Prüfung: 26. September 2026. Funktionen, Verfügbarkeit und Abrechnungsmodell stammen aus offiziellen Microsoft-Quellen und der verlinkten Berichterstattung. Agenten-Steckbrief, Auswahlmatrix und 30-Tage-Plan sind daraus abgeleitete praktische Arbeitshilfen von Lyron.

Soll Copilot in Ihrem Microsoft 365 kontrolliert starten?

Lyron prüft Datenrechte, richtet Leitplanken für Kosten und Plugins ein und begleitet den ersten Agenten-Pilot bis zur messbaren Übergabe – ergänzt um Power Automate, n8n oder individuelle Software, wo Copilot allein nicht reicht. Mehr dazu auf unserer Seite zu Microsoft 365.

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